Frauenhaus Wiwili, Nicaragua

Das Frauen- und Kinderhaus in Wiwili, einer der Partnerschaftsstädte Freiburgs, hat am 8. März 2011 seine Türen geöffnet. Mittlerweile haben sich in drei Jahren über 260 Opfer an den gemeinnützigen Verein AMEWINS (Asociación de Mujeres Emprendedoras de Wiwilí Nueva Segovia) gewandt, um Hilfe zu bekommen. Dabei handelt es sich neben sexueller Gewalt auch um häusliche und interfamiliäre Gewalt, um Unterhaltsstreitigkeiten, Vaterschaftsanerkennungen, Scheidungen oder Erbschaftsstreitigkeiten. Die Opfer sexueller Gewalt sind meist Kinder oder junge Frauen, die Täter überwiegend über 30 Jahre alt.

Diese Fälle finden keinen Eingang in die nationale Presse oder gehen gar durch die Medien der ganzen Welt, weil sie immer noch zum tolerierten Alltag in Nicaragua und ganz Mittelamerika gehören.

Es gehört zum Alltag vieler Frauen und Mädchen, beschimpft, degradiert, eingeschüchtert, kontrolliert und verfolgt zu werden sowohl im häuslichen als auch im sozialen Umfeld. Oft geht dieses verachtende Verhalten einher mit körperlicher und sexueller Gewalt, bis hin zu Mord.
2013 wurden nach Auskunft des Frauennetzwerks gegen Gewalt in Nicaragua 74 Frauen ermordet, immerhin 11 weniger als im Vorjahr 2012. Die beiden Frauenkommissarinnen Abny Saez Centeno und Suyapa Ruiz aus Wiwilí sehen dies als einen Erfolg des Gesetzes 779 zum Schutz von Frauen vor Gewalt an, das am 22. Juni 2012 in  Kraft trat. Das Gesetz 779 stellt in vielfältiger Weise die Gewalt gegen Frauen unter Strafe, erkennt das Recht der Frauen auf ein Leben ohne Gewalt und zu werden sowohl im häuslichen als auch im sozialen Umfeld. Darüber hinaus stellt es physische und psychische Formen von Gewalt gegen Frauen unter Strafe. Aber dennoch ist der Weg bis zu einer Anzeige gerade in ländlichen Gebieten wie Wiwili weit, die Entscheidung eine Anzeige zu erstatten und dann vielleicht die ganze Familie gegen sich zu haben schwierig.

 

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Als einen Erfolg sieht die Leiterin des Frauenhauses Victoria Moncada die Arbeit von AMEWINS an.

Das Frauenhaus in Wiwili ist für die Frauen ein Erfolg, weil es ein Ort des Vertrauens ist , wo die Frauen und Kinder Hilfe und Beratung suchen und erhalten, eine Unterkunft für die Opfer. Wir begleiten die Opfer zur Polizei oder zu Gerichtsverhandlungen.

Auf nationaler Ebene ist das Frauenhaus anerkannt über die Frauenkommissariate der Polizei, durch Mi Familia und die Richter der Justiz.

Ein Erfolg ist auch das wöchentliche Radioprogramm zusammen mit dem Frauenkommissariat, womit auch die entlegensten Gemeinden erreicht werden, das aber auch als Medium für die Aufklärung und Prävention dient. Für die ländlichen Gebieten soll durch die Frauenkommissariate jetzt eine motorisierte Gruppe gebildet werden, die wöchentlich die entlegenen Gemeinden anfährt und Rat und Hilfe anbietet.

 Aber es gibt auch Frust und Enttäuschungen, weil bisher keine entsprechende Versorgung für die Opfer möglich ist, wie ärztliche Untersuchung und psychologische Betreuung. Dass bisher in Wiwilí keine forensische Untersuchungen durchgeführt werden können, bedeutet, dass die körperlichen Spuren der Gewalttäter nicht mehr genau nachwiesen werden können. Und zudem müssen die Opfer noch 4 –6 Stunden in die nächste Bezirkshauptstadt zur Untersuchung reisen.

MENSCHENRECHTE 3000 e.V. übernimmt daher die Projektpatenschaft hier in Deutschland, um die Unterstützung des Frauenhauses Wiwili direkt zu ermöglichen.

Die Fotos zeigen die Demo und die Feier zum 8. März - Internationalen Frauentag, das das Frauenhaus Wiwili 2015 veranstaltete.

Das Schweigen brechen - Frauen in Nicaragua kämpfen gegen Gewalt an Frauen

Auf Einladung des Freiburger Aktionskomitees 16 Tage gegen Gewalt an Frauen während der ''16 Tage gegen Gewalt an Frauen'' 2014 zwei Frauen aus Wiwili/Nicaragua, einer der Partnerstädte von Freiburg an verschiedenen Veranstaltungen in Freiburg und auch in Heidelberg teil. Eingeladen waren Victoria Moncada, die Gründerin und Leiterin des Frauen- und Kinderhauses in Wiwili und Angela del Carmen Palma als Vizebürgermeisterin in Wiwili NS.

Insgesamt sprachen die beiden Frauen vor 14 verschiedenen Schulklassen schwerpunktmäßig über das Leben der Frauen in Nicaragua insbesondere im ländlichen Bereich, die Arbeit und die Schwierigkeiten des Frauen- und Kinderhauses in Wiwili, verschiedene exemplarische Beispiele von Opfern sowie den gemeinsamen Kampf der Frauen in Nicaragua gegen den Machismo, und illustrierten ihre Vorträge mit vielen Bildern. In den meisten Klassen wurden die Vorträge auf Spanisch gehalten, damit die SchülerInnen gleichzeitig Spanisch in der Muttersprache hören konnten. Die Klassen waren insgesamt stark beeindruckt von dem ganz anderen Leben in Nicaragua, erschüttert über die vorgetragenen Frauen - und Mädchenschicksale und stellten viele Fragen.

Außerdem wurden zwei gut besuchte öffentliche Abendveranstaltungen in Freiburg und Heidelberg durchgeführt, ein Vortrag beim internationalen Vernetzungstreffen von AMICA in Freiburg gehalten und ein Live-Interview bei Radio Dreyeckland geführt. Zudem fand ein Treffen mit dem Leiter des Amts für internationale Beziehungen beim Bürgermeisteramt Freiburg statt, um Möglichkeiten einer Unterstützung zu erörtern.

Für die beiden Frauen aus Wiwili war besonders wichtig ihre Arbeit in Nicaragua vor allem gegenüber Jugendlichen vorstellen zu können und dabei auf viel Interesse zu stoßen. Außerdem war der Kontakt und Austausch mit Frauen aus verschiedenen anderen Kulturen und Ländern eine besondere Erfahrung, zu sehen, dass in vielen Ländern der Welt Frauen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, gleichzeitig aber auch zu sehen, das es überall Frauen gibt, die für eine Verbesserung der Situation der Frauen sich einsetzen und kämpfen. Dies wiederum verleiht Kraft und Energie um im eigenen Land mit der begonnenen Arbeit fortzufahren. Es besteht der Wunsch die geknüpften Kontakte fortzusetzen und zu intensivieren.

Die Feier zum Internationalen Frauentag hieß auch: tanzen und fröhlich sein. Wie schön, die Würde der Frauen zu sehen...